Evergrande: Morgan Stanley und die Weichenstellung für den Bitcoin

300.000.000.000 US$ Schulden. Das sind ca. 265 Milliarden Euro.

So viel hat der chinesische Immobilienriese Evergrande angehäuft (Stand Juni!) und warnt immerhin nun, im Dezember, selbst, dass keine Garantie mehr abgegeben werden könne, den eigenen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Die chinesische Zentralregierung samt Zentralbank scheinen nicht daran zu denken, Evergrande zu retten – schließlich sei dies ein normaler „Marktvorgang“.

Eine Zahlungsunfähigkeit dieser Größenordnung richtet natürlich einen massiven Flurschaden im ökonomischen Umfeld an. Schon steht der chinesischen Immobilienkonzern Kaisa ebenfalls mit dem Rücken zur Wand. Dieser konnte wohl diese Woche fällige Zinszahlungen in der Höhe von läppischen 400 Mio. Dollar nicht begleichen.


Es erklingen die ersten Kassandrarufe aus dem Finanz-Business, der Weltwirtschaft können Schockwellen wie 2008 nach der Lehmann-Pleite bevorstehen.

Wie immer in solchen Situationen bieten sich für Investoren wie für Beobachter im Zusammenhang mit dem Markt an den Kryptobörsen zwei Lesearten an:

1. Kryptowährungen sind immer noch stark an die klassische (Finanz-) Wirtschaft gekoppelt. Krachen die Börsen, purzeln auch die Krypto-Kurse.

Oder 2. Investoren verlassen das sinkende Schiff und hoffen, am Kryptomarkt auf Assets zu stoßen, die eigenständig genug sind, um nicht in den Strudel einer Immo-Krise in China mitgerissen zu werden.

Vergangene Woche war die Leseart klar: Die Top-Kryptowährungen rutschten massiv ab. Der Bitcoin verzeichnete ein 3-Monats-Tief.

Herausgezoomt auf eine längerfristigere Perspektive werden aber durchaus auch Anzeichen für Leseart 2 sichtbar: So hat etwas die Großbank Morgan Stanley im vergangenen Quartal seine Bestände am Grayscale Bitcoin Trust massiv aufgestockt. (Der GBTC Trust ermöglicht Gewinne bei positiver Bitcoin-Kursentwicklung, ohne BTC selbst im Wallet zu haben.) Dieser Trust hält übrigens bereits mehr als 500.000 BTC.

Gerade im Bereich der langfristigen Investitionen verstärkt Morgan Stanley unter dem CEO und expliziten Blockchain-Fan James Gorman sein Krypto-Engagement. Das ist mehr Strategie, weniger Spekulation.

Institutionelle Investoren, die scheinbar antizyklisch veranlagen, könnten die langfristige Leseart vorgeben. Ein zulegender Kryptomarkt trotz Evergrande würde diese bestätigen.

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Sascha Bém
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