Neuer Fed-Chef: Was Kevin Warsh für Bitcoin & Co. bedeuten könnte
In manchen Investorenkreisen lautet ein geflügeltes Wort: „Don’t fight the Fed.“ Das Problem ist nur: Keiner weiß derzeit, wohin die Fed gehen wird. Heute ist nämlich der letzte Tag im Amt des langjährigen Leiters, Jerome Powell. Er hatte sich in den vergangenen Monaten offene Duelle geliefert mit US-Präsidenten Donald Trump, der auch hier wenig von getrennten Einflussbereichen hält.
Nun bekommt die mächtigste Notenbank der Welt einen neuen Chef: Der republikanisch dominierte US-Senat hat Kevin Warsh als Nachfolger an der Spitze der Federal Reserve bestätigt.
Warsh gilt wenig überraschend als wirtschaftsliberal, gleichzeitig auch als Vertreter einer eher strafferen Geldpolitik. Genau das sorgt derzeit für Nervosität an den Märkten. Anleger befürchten, dass unter seiner Führung die Phase billigen Geldes schneller enden könnte – ein Umfeld, das Risikoanlagen wie Kryptowährungen traditionell belastet.
Allerdings ist die Lage komplexer. Warsh hat sich in der Vergangenheit überraschend offen gegenüber Bitcoin gezeigt. (Sonst wäre er auch nie Wunschkandidat Trumps gewesen, der ja bereits hunderte Millionen Dollar aus diversen Krypto-Geschäften gezogen hat.)
In einem viel beachteten Statement bezeichnete Warsh Bitcoin als „wichtiges Asset“ und lobte die technologische Innovationskraft der Kryptowährung. Damit könnte erstmals ein Fed-Chef ins Amt kommen, der digitalen Assets nicht grundsätzlich skeptisch gegenübersteht.
Gleichzeitig steht Warsh politisch unter besonderer Beobachtung. Der persönliche Krieg gegen Powell hat verdeutlicht, wie wenig Präsident Trump von einer unabhängigen Fed hält. Er wird seine erratischen Finanzideen einfach an die Fed delegieren wollen. Warsh kann sich schon jetzt auf einen wilden Ritt gefasst machen.
Für den Kryptomarkt ergibt sich daraus ein paradoxes Szenario: Kurzfristig könnten strengere geldpolitische Erwartungen Druck auf Bitcoin und Altcoins ausüben. Mittelfristig könnte jedoch genau die Kombination aus einem kryptofreundlichen Fed-Chef und möglichen späteren Zinssenkungen wieder Rückenwind für digitale Assets liefern.