10. Juli 2019

Paul Mizel, CEO Asure: „Irgendwann leben können, ohne Geld zu haben“

asure network

Die Asure Stiftung mit Sitz in der Schweiz und in Deutschland verfolgt seit 2014 die Vision einer auf Blockchain basierten Sozialversicherung als dezentrales System. Am 1. August steht als nächster Milestone der Pre-Sale des hauseigenen Tokens an. Über ein globales Versicherungsmodell, eine stabile „Währung ohne Währung“ und den bevorstehenden ICO sprach CEO Paul Mizel mit dem Krypto-Monitor.

Krypto-Monitor: Was wären aus Ihrer Sicht die Vorteile einer dezentralen Sozialversicherung?

Paul Mizel: Nach unseren Recherchen fehlt momentan 4,1 Milliarden Menschen der Zugang zum Sozialversicherungssystem. Das bedeutet: Jeder Zweite hat weder Rente, noch Krankenversicherung. Wir sehen in der Blockchain eine Chance, Menschen – ähnlich wie bei Bitcoin – über Smartphones den Zugang zu etwas zu ermöglichen, was ihnen vorher unmöglich war.

Krypto-Monitor: Aber dazu bräuchte es theoretisch noch keine Blockchain…

ceo paul mizel asurePaul Mizel: Ja, das stimmt. Aber unsere Vision geht weiter. Wir möchten ein echtes dezentrales System schaffen, bei dem nicht nur der Zugang Menschen ermöglicht wird, sondern auch Wahlmöglichkeiten geboten werden. Im klassischen zentralisierten System ist der Versicherungsnehmer an die Versicherung gebunden und kann beispielsweise nichts gegen Inflation unternehmen. Im Asure Netzwerk bestünde die Möglichkeit, zwischen umlagebasierten und fondsbasierten Systemen zu wählen. Letztere könnte man mit Kryptowährungen oder vergleichbar mit Facebooks Libra mit anderen Assets decken und einen garantierte Zins bieten.

Was aber ein weiterer entscheidender Vorteil eines Blockchain-basierten Systems wäre: Versicherungen haben ein großes Problem, weil Fehler und Betrug passieren. Zwei Drittel aller Länder haben einen Korruptionsindex laut Transparency International von unter 50, also hohe Korruption. Mit einem selbstkontrollierenden System wäre Missbrauch nicht möglich.

Krypto-Monitor: Alleine in Deutschland gibt es mehr als 500 Sozialversicherungsträger. Erwarten Sie da nicht starken Gegenwind, wenn Sie das System automatisieren möchten?

Paul Mizel: Wir haben schon mit der Strategieabteilung des deutschen Rentenversicherungsbund gesprochen. Sie wissen, dass sie ein 40 Jahre altes System haben, das sehr teuer und wartungsintensiv ist. Außerdem geht es darum, mittelfristig erst einmal gemeinsame Standards zu entwickeln. Die Technologie steckt ja noch in den Kinderschuhen. Es ist ja nicht so, dass ein Sozialversicherungssystem innerhalb eines Jahres umgestellt werden könnte.

Krypto-Monitor: Am 1. August startet der Pre-Sale des ASR-Tokens. Was wird mit dem ICO finanziert?

Paul Mizel: Wir haben diese Finanzierungsform gewählt, da sie am besten zum Projekt passt. Theoretisch könnten wir ein Rentensystem – wie bereits simuliert – auf Ethereum starten, das wäre aber nicht skalierbar. Für eine dermaßen spezielle Aufgabenstellung – Sozialversicherungen sind schließlich nach Banken und Versicherungen das transaktionsintensivste Business – brauchen wir aber eine eigene Blockchain. Der ICO dient dazu, das eigene Netzwerk aufzubauen. Die ICO-Teilnehmer sollen auch Stimmrechte und in unserem Proof-of-Stake-System entsprechende Node-Funktionen übernehmen.

„Stabilität, die an keine Währung gekoppelt ist“

Krypto-Monitor: Welche Erfahrungen haben Sie bei den Simulationen des Rentensystems gemacht?

Paul Mizel: In einem dezentralisierten Rentensystem können wir sogar die simulierte Kaufkraft abbilden. Das Erstaunliche: Wir generieren so einen Stabilitätsindex, eine Form von stabiler Währung, die an keine Währung gekoppelt ist.

Krypto-Monitor: Das kann man sich kaum vorstellen, wenn man etwa an die europäische Demographie samt Überalterung denkt…

Paul Mizel: Man muss das als globales System betrachten. In Uganda, wo wir im Rahmen unserer Reisen auch mit Experten gesprochen haben, sind 50 Prozent der Menschen unter 16 Jahre alt. Theoretisch könnte man diese Menschen etwa mit Deutschen in ein System nehmen, wobei das sehr unterschiedliche Bruttoinlandsprodukt berücksichtigt wird. In der Simulation kann die Kaufkrafterhaltung des Rentensystems gewährleistet bleiben. Es wird das ausgeschüttet, was einzahlt wurde – egal, ob das bildlich gesprochen monatlich ein paar Stück Obst oder ein Neuwagen ist.

Krypto-Monitor: Soll der ASR Token auf Kryptobörsen gehandelt werden?

Paul Mizel: Ja.

Krypto-Monitor: Soll der ASR Token auch dienen, um dann tatsächlich Sozialleistungen zu bezahlen?

Paul Mizel: Das ist zumindest nicht der Plan. Aber das ganze ist als echtes dezentrales System wie Bitcoin konzipiert. Wir möchten als Non-Profit-Organisation das System zur Verfügung stellen und dann nicht mehr eingreifen. Wenn also User den ASR Token als Zahlungsmittel einsetzen, ist das auch möglich.

Krypto-Monitor: Was ist Ihre persönliche positivste Vision von Kryptowährungen beziehungsweise von Blockchain?

Paul Mizel: Ich sehe das derzeitige Spiel mit Kryptowährungen als Zwischenstand. Ich hoffe, dass uns Kryptowährungen dabei helfen, Geld an sich besser zu verstehen – damit wir es irgendwann abschaffen. Ich komme aus dem Versicherungsbereich. Die Versicherungsidee ist um Grunde etwas Edles – Leute in Notfällen zu helfen. Problematisch wird es nur, wenn jemand versucht, damit Geld zu verdienen. In dezentralen System besteht die Gefahr der Manipulation aus egoistischer Profitgier nicht. Ich hoffe, dass sich Blockchain, Künstliche Intelligenz und Robotik parallel entwickeln, dass wir irgendwann leben können, ohne Geld zu haben. Der Mensch ist nicht gemacht fürs Geldverdienen, sondern um sich zu entwickeln. Das ganze System soll irgendwann zu unserem Wohle arbeiten.

Link: Asure.Network

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Sascha Bém

Sascha Bém, Chefredakteur des Krypto-Monitors, ist erfahrener Journalist und Medienmacher. Er arbeitete in den vergangenen 20 Jahren in den Bereichen Tageszeitung, Magazin sowie Online – sowohl als publizierender Autor als auch als Chefredakteur – und unterstützt Organisationen als Medien- und Kommunikationsberater.
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