5. September 2019

Lenzing macht’s in der Mode vor: Supply Chain an die Blockchain

blockchain lieferkette

Während wieder mal alles auf den Bitcoin schielt, der wieder lebendiger scheint, und viele hoffen, dass er Altcoins wie Ethereum oder Ripple mitreißt, spielt sich woanders höchst Interessantes auf der Blockchain ab:

Die Lenzing Gruppe, Weltmarktführer bei Spezialfasern aus dem Rohstoff Holz, lässt heute mit einer Präsentation beim diesjährigen Fashion Summit in Hongkong aufhorchen. Das wegweisende Pilotprojekt wurde in enger Zusammenarbeit mit TextileGenesis(TM), dem WWF sowie der Marke „Chicks“ aus Hongkong umgesetzt.

Der Background

Im Oktober 2018 führte Ipsos MORI eine Studie zur Einstellung von Konsumenten in der EU in Bezug auf Nachhaltigkeit und Transparenz in der Lieferkette durch. Laut dieser Studie fordert eine große Mehrheit an Konsumenten (80 %), dass Marken die einzelnen Stationen ihrer Lieferkette offenlegen. Die Blockchain-Technologie ermöglicht allen Kunden und Partnern, Fasern der Marke TENCEL (TM) und die jeweilige Holzquelle in jedem Produktions- und Vertriebsschritt bis zur Kleidung und zu den Heimtextilien zu identifizieren. Darüber hinaus bietet die neue Technologie Konsumenten auch die Möglichkeit, die Zusammensetzung eines Kleidungsstückes sowie die dahinterliegende textile Lieferkette vor dem Kauf durch einfaches Scannen eines Barcodes zu überprüfen.

Stefan Doboczky, Vorstandsvorsitzender der Lenzing Gruppe, dazu: „Gemeinsam mit TextileGenesis(TM) verfolgen wir das Ziel, ein bisher unerreichtes Maß an Transparenz für Modemarken und Konsumenten zu schaffen. Der Einsatz von Blockchain-Technologie wird es uns ermöglichen, die digitale Rückverfolgung von Fasern zu maximieren und somit einen wichtigen Beitrag zur Ökologisierung der Modebranche zu leisten.“

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Eine branchenweite Neuheit ist die Ausgabe von sogenannten TENCEL(TM) Fibercoins auf Basis der Blockchain-Technologie an die Partner im Zusammenhang mit physischen Lieferungen. Diese digitale Kennzeichnung fungiert als Authentifizierungsmechanismus gegen Fälschung und gewährleistet somit eine verlässliche Überwachung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Um die Komplexität von Produktion und Vertrieb auch tatsächlich nachstellen zu können, wurde über die digitale Plattform der Weg von der Faser bis zum Verkauf von insgesamt 49 Artikelpositionen im Kleidungsbereich (ca. 25.000 Stück) der Marke Chicks nachverfolgt.

Faser und Gras

Eine sehr ähnliche Blockchain-Anwendung wurde soeben – ebenfalls abseits der Kryptobörsen – in einer ganz anderen Branche publik: Das Startup TrueTrace verfolgt Cannabis vom Saat-Korn bis zum Verkauf, um Sicherheit und Transparenz bei der Herstellung gewährleistbar zu machen. Und das ist gerade für die immer mehr werdenden medizinischen Anwendungen extrem wichtig. Partner bei diesem Projekt ist übrigens kein Unbekannter: Deloitte – eines der weltgrößten Beratungsunternehmen mit mehr als 43 Mrd. US$ Jahresumsatz.

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Sascha Bém

Sascha Bém, Chefredakteur des Krypto-Monitors, ist erfahrener Journalist und Medienmacher. Er arbeitete in den vergangenen 20 Jahren in den Bereichen Tageszeitung, Magazin sowie Online – sowohl als publizierender Autor als auch als Chefredakteur – und unterstützt Organisationen als Medien- und Kommunikationsberater.
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