19. November 2019

Während Libra erfolgreich testet, schielt die EU auch in Richtung Blockchain

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Die wahre Pointe an Facebooks Libra ist ja, dass es gar keine echte Kryptowährung ist. Im Gegensatz zu Bitcoin, Ethereum oder Ripple ist nämlich Libra nur sehr bedingt dezentral. Für neue Blöcke in der Blockchain sind ausschließlich die Partner der Libra Association zuständig und nicht die User. (Libra könnte aber durchaus auf Kryptobörsen gehandelt werden.)

Was aber Libra besonders gut kann, ist das eingespielte Geflecht der Finanzwirtschaft und Politik mal ordentlich durchrütteln. Bammel (österreichisch für Angst, Anm.) haben nämlich die bisherigen Hüter des Geldgrals vor einem Finanzdienstleister, der gleich mal 2,5 Milliarden Kunden auf der ganzen Welt hat. Hier könnten einige Banken mit ihrem Transfertempo, ihren Gebührenmodellen und ihrem Filialnetz sehr schnell sehr alt aussehen.

Entsprechend haben Gesetzgeber, hüben wie drüben über dem großen Teich, Druck auf Facebook gemacht und es immerhin geschafft, dass bereits 8 namhafte Association-Mitglieder abgesprungen sind. Zwar waren das unter anderem ausgerechnet die Payment-Spezialisten Visa, Mastercard und Paypal – es sind aber noch genug Schwergewichte auf Libras Seite (Vodafone, Spotify…).

Und während versucht wird, Libra zu verhindern, schauen sich Regierungen das Konzept ab: Man nutze die Blockchain für eine nicht manipulierbare digitale Währung, und steuere das Ganze aber sehr wohl zentral wie bisher Fiatgeld durch Zentralbanken. Mittlerweile scheinen auch die größten Fortschrittsskeptiker verstanden zu haben, dass eine solche (Pseude-)Kryptowährung dem bisherigen System um Welten überlegen ist.

Libra mit Durchbruch, erstmals EU mit Krypto-Ambitionen

Libra hat kundgetan, im September mehr als 50.000 Transaktionen im Testnetz erfolgreich protokolliert zu haben und scheint also – vom Brusttrommeln der Politik relativ unbeeindruckt – weiter zu entwickeln.

Dass China drauf und dran ist, einen eigenen (Pseudo-)Coin zu launchen, ist längst kein Geheimnis mehr. Allerdings kommen nun auch aus Brüssel ganz neue Töne. So gelangte unlängst das Thema einer eigenen EU-Kryptowährung erstmals auf die Agenda der EU-Finanzminister. Laut Nachrichtenagentur Reuters liegt ein Konzeptpapier der finnischen Ratspräsidentschaft vor, und in den kommenden Monaten soll über die Einführung einer digitalen Währung (wahrscheinlich durch die EZB) nachgedacht werden. In der radikalsten Ausbaustufe könnte der Digital-Euro uns ermöglichen, ohne Konto online Bezahlungen vorzunehmen.

Die EU überlegt, Facebook entwickelt, China schraubt bereits den Bargeld-Verkehr zurück. Meanwhile in der Parallelwelt des alten Geldes? Die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck verrechnet als erste deutsche Bank Negativzinsen für Spareinlagen.

Welches System sich wohl langfristig durchsetzen wird?

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Sascha Bém

Sascha Bém, Chefredakteur des Krypto-Monitors, ist erfahrener Journalist und Medienmacher. Er arbeitete in den vergangenen 20 Jahren in den Bereichen Tageszeitung, Magazin sowie Online – sowohl als publizierender Autor als auch als Chefredakteur – und unterstützt Organisationen als Medien- und Kommunikationsberater.
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