27. August 2020

Negativzinsen der Banken: aufgelegter Elfer ohne Tormann für Bitcoin & Co.

tor bitcoin elfer

Vereinzelt verlangten bereits 2019 deutsche Finanzinstitute für Einlagen (!) Geld. Da das Lagern von Überschussliquidität bei der Europäischen Zentralbank (EZB) den Banken selbst mit einem Strafzinssatz von 0,5% verrechnet wird, werden Wege gesucht, diese Kosten elegant auf die Sparer abzustreifen.

Das wiederum ist so einfach nicht. Einerseits verstehen auch Konsumenten ohne Börsen-Expertise, dass Negativzinsen nicht gerade das stärkste Argument für ein Geldinstitut sind. Andererseits hat – zumindest in Österreich – der Oberste Gerichtshof (OGH) das Weiterverrechnen der EZB-Strafzinsen an die Einleger verboten.

Corona lässt die Dämme brechen

Banken nützten in der Vergangenheit noch recht kreativ den Spielraum im Bereich der Gebühren, um sich nicht völlig die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Doch jetzt, in der Corona-Krise scheinen immer mehr die Hemmungen zu fallen.

In Deutschland haben bereits rund 200 Banken Negativzinsen eingeführt, und auch in Österreich wird nun vermehrt diese Grenze überschritten. Der OGH verbietet nämlich Banken lediglich, Negativzinsen an Inhaber von Sparprodukten weiterzugeben. Girokonten – und somit Gehalts-, Pensions- oder Studentenkonten – sind keineswegs sicher.

Und auch wenn es „Freibeträge“ (immerhin!) für kostenloses Sparen (!!) gibt, so sind die bei manchen Instituten so niedrig angesetzt, dass man kaum ungeschoren davonkommt.

Es beginnt also flächendeckend Geld zu kosten, Geld zu haben.

Volatilität vs. fixer Verlust

Das Verhalten der Banken könnte ein aufgelegter Elfer ohne Tormann für das Krypto-Business sein. Die meistgefragten Digital Assets sind derzeit recht stabil auf hohem Niveau. Derzeit ist es wohl nicht wahnsinnig riskant, Bitcoin zu kaufen, in Ethereum zu investieren oder sich Ripple anzueignen.

Abgesehen von reinen rechnerischen Überlegungen könnte aber auch ein anderer Wirtschaftstreiber eine Schlüsselrolle spielen und Investoren dazu bringen, Banken mit Kryptobörsen zu vergleichen: die Emotion.

Wer könnte es Konsumenten verübeln, wenn sie einfach die Nase voll haben von anhaltender Enteignung (Inflation, Negativzinsen) im Fiat-Geldsystem und ihr Glück lieber in der nicht zentral regulierten Welt der Kryptowährungen suchen?

Wer könnte es nicht verstehen, wenn immer mehr Menschen das Risiko der Volatilität lieber in Kauf nehmen als die Sicherheit des Wertverlustes?

Sascha Bém
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