25. April 2019

Österreich startet „Regulatory Sandbox“ für FinTechs

bitcoin sandkiste

Das Land scheint eine große Chance zu wittern: Die Digitalisierung des Finanzdienstleistungssektors schreitet mit großen Schritten voran, der bisherige Finanz-Platzhirsch London versinkt im Brexit-Chaos, Nachbar Deutschland ist zwar verlässlicher EU-Partner – allerdings in der Gesetzgebung sehr konservativ im Umgang mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Ripple, Binance Coin & Co.

Bereits heute herrscht in Österreich das freundlichere Klima für Kryptobörsen, und die Republik scheint sich hier in Position bringen zu wollen, zum Hotspot für Fintechs zu werden. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein FinTech Beirat ins Leben gerufen, der aus engagierten Experten, Aufsehern und Praktikern besteht.

Österreichs Finanzminister, Hartig Löger, dazu: „Mit Hilfe des Beirats sollen Spielregeln festgelegt werden, um den jungen Finanzmarkt rund um digitalisierte Finanzdienstleistungen sowie ICOs und Kryptowährungen in geordnete Bahnen zu lenken und zu Wachstum zu verhelfen. Erst vor zwei Wochen haben wir das WiEReG Compliance Package – das Digitale Kundenprofil – in Begutachtung geschickt, das Österreichs Finanzplatz noch einfacher und schneller macht. Nun – nur 14 Tage danach – folgt die nächste Maßnahme zur Stärkung des Innovationsstandortes, die Regulatory Sandbox.“

Sandkiste (österreichisch) bzw. Sandkasten (deutsch)

„Für einige Unternehmen aus der FinTech-Branche ist es besonders schwierig, von Anfang an alle aufsichtsrechtlichen Regelungen und Entwicklungen im Blick zu behalten. Viele von ihnen geben auf und verwerfen ihre Geschäftsmodelle. Dem wollen wir nun gegensteuern“, so Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs. Für dieses Gegensteuern wird die Sandbox installiert.

In einer Regulatory Sandbox können FinTechs künftig ihre innovativen Geschäftsmodelle für einen begrenzten Zeitraum unter der Aufsicht der FMA (Finanzmarktaufsicht) testen und trainieren. Es handelt sich dabei um einen ausgewogenen Ansatz, der einerseits die nötige aufsichtliche Kontrolle gewährleistet und andererseits Innovationen und Wachstum nicht im Wege steht.

Das Konzept wurde bei der Financial Conduct Authority (FCA) in Großbritannien entwickelt. Ein Experte der FCA war auch an der Entwicklung der österreichischen Regulatory Sandbox federführend beteiligt. Das Ziel der Initiative definiert der Finanzminister Löger klar: „Durch diese Maßnahme stärken wir die Innovationskraft des Finanzsektors und des Standorts Österreich weiter.“

So dürfen Sie mitspielen

Um Teilnehmer dieser Sandbox zu werden, muss ein Unternehmen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: So ist es etwa erforderlich, dass das Geschäftsmodell auf Informations- und Kommunikationstechnologie  – wie eben zum Beispiel auf der Blockchain – basiert und einen erhöhten Innovationswert aufweist, der im Interesse eines innovativen Finanzplatzes Österreich ist. Der Entwurf bietet aber auch etablierten Finanzunternehmen Zugang, wenn sie beispielsweise gemeinsam mit Start-ups ein neues Geschäftsmodell erproben wollen.

Nach einer Zulassung in die Sandbox können für das Geschäftsmodell erforderliche Konzessionen gesondert beantragt werden – die FMA unterstützt die FinTech-Startups dabei.

Einziger Schönheitsfehler dieses spannenden Vorstoßes: Vielleicht sollten neben Banken, Versicherungen und Behörden auch Vertreter der Kryptoszene (wie wäre es mit Bitpanda?) in den Beirat bestellt werden! Das ist nämlich aktuell nicht der Fall und könnte die Vermutung nahelegen, dass der Beirat auch dazu dient, alte Geschäftsmodelle zu schützen.

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