Sparkasse vor Krypto-Vorstoß: Kommt 2022 das Giro-Wallet?

Die deutsche Sparkasse wurde vor 200 Jahren gegründet und ist nicht unbedingt das, was man heute ein „Fintech“ nennen würde. Der alte riesige Dampfer beherbergt 48,2 Millionen Girokonten. Die gesamte Sparkassen-Finanzgruppe ist mit 520 Unternehmen, 16.500 Geschäftsstellen und knapp 300.000 Mitarbeitern der größten Finanzdienstleister Europas nach Geschäftsvolumen.

Jeder Beobachter der Finanzbranche wäre sich sicher, dass ein solches träges Riesending mit der fluiden und volatilen Welt der Kryptowährungen völlig inkompatibel ist.

Jedoch – weit gefehlt! Laut einer gemeinsamen Recherche von Finance Forward, Finanz-Szene und Capital sind es ausgerechnet die Sparkassen, die sich anschicken, mit einer Integration von Krypto-Wallets in ihr Girokontensystem Finanzgeschichte zu schreiben.


Eine der Schlüsselpositionen in diesem Projekt bekleidet Erik Meierhoff, Geschäftsführer bei S-Payment, ein Mann mit ausreichend Digital-Background aus den Häusern Rakuten und Idealo. Ihm scheint eine Lösung vorzuschweben, bei der Sparkasse-Kunden ohne weitere Authentifizierungsprozesse in ein Konto-eigenes Wallet Bitcoin kaufen, Ethereum kaufen oder Ripple kaufen können.

Da das Bankkonto den Know-Your-Customer-Regularien ohnedies entspricht, wäre ein weiterer Identifikationsschritt nicht notwendig. Ob und wie dann die Anbindung an Kryptobörsen genau ablaufen würde, ist noch nicht bekannt.

Gerüchteweise ist eine Realisierung der Krypto-Anbindung bei den Sparkassen schon 2022 durchaus realistisch. Das wäre ein echter Gamechanger und ein Turbo für die deutsche Massenadaption von Bitcoin & Co.

Die Marktmacht der Sparkassen wurde erst 2020 eindrucksvoll bewiesen, als die hauseigene Girokarte mit ApplePay verknüpft wurde. Ebenfalls eine Pionierleistung. Sogar Apple selbst kommunizierte einige Wochen später nicht ohne Stolz mehr als 1,5 Millionen ApplePay-User via Sparkassen.

Und im Nachbarmarkt Österreich?

In Österreich ringen Großbanken nach wie vor um eine Herangehensweise an das Thema Krypto. Einerseits gibt es Kooperationen etwa mit der Wiener Exchange Bitpanda. Andererseits herrscht in der Branche eine etwas diffuse Angst vor dem Thema Geldwäsche und ihrem Jäger, der Finanzmarktaufsicht. Zuletzt häuften sich laut derstandard.at Berichte, wonach Bankkunden Überweisungen von beziehungsweise zu Kryptobörsen untersagt wurde. Teilweise sogar unter Androhung, die Geschäftsbeziehung zu kündigen.

Der Vorstoß der Sparkasse ist wohl hoch an der Zeit und würde grenzüberschreitend ein Umdenken anstoßen.

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Sascha Bém
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