9. September 2019

Staaten und Social Media: Wettlauf um die eigene Kryptowährung

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Facebook will, aber kann noch nicht. Telegram kann und will auch bald. Die USA wollen zumindest die Kontrolle haben. China wollte nicht, wird aber jetzt. Und Twitter – hält sich raus.

Egal, ob politische oder virtuelle Vereinigung, ob Staat oder Social Media – derzeit stellt sich offenbar für alle die Frage: Eigene Kryoptowährung oder nicht? Und die Wege zur Entscheidungsfindung sind mitunter alles andere als geradlinig.

Facebooks Coin Libra laboriert – wie schon mehrmals berichtet – an politischen und technischen Widerständen. Ein Bug Bunty soll nun die Schwarmintelligenz der Community anzapfen und als Commitment zur Transparenz die Politik milde stimmen. Libra soll 2020 an die Blockchain und an die Kryptobörsen gehen. Der Messengerdienst Telegram scheint schon um einiges weiter zu sein und kündigte seine Kryptowährung Gram noch für diesen Herbst an!

Social Media macht den Ländern Druck

Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn Facebook mit seiner globalen Präsenz und zwei Milliarden Usern eine eigene Währung launcht. Schnell würde eine bisherige globale Währung wie der Dollar an Bedeutung verlieren. Haben sich die USA bisher nur äußerst kritisch gegenüber Bitcoin & Co. geäußert, so wurde vor wenigen Tagen deutlich, dass doch mehr im Busch ist. Anne Neuberger, Vorsitzende der NSA-Cybersecurity-Abteilung, ließ bei einer Konferenz aufhorchen, indem sie von einer „Quantum sicheren („quantum resistent“) Kryptowährung“ sprach, an der die NSA arbeite.

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In der Kryptoszene besteht ja durchaus die Angst, dass Quantum-Computer irgendwann dermaßen rechenstark sind, dass sie kryptografische Verschlüsselungen lösen könnten. So könnte man sich dann unter Umständen mit einem Quantum-Rechner bei Krypto-Assets beliebig bedienen.

Was die NSA mit einem solchen kugelsicheren Coin plant, ist derzeit nur Gegenstand von Spekulationen. Wie aber hochrangige Politiker schon mehrmals betont haben, denken die USA jedenfalls nicht daran, einen Player wie Facebook ganz einfach in den Geldmarkt zu lassen. Und technisch möchten sie wohl auch immer noch ein Wörtchen mitreden können.

China zieht mit

Egal, ob Bitcoin, Ethereum oder Ripple – nur Kriminelle brauchen Kryptowährungen. Von diesem Kurs ist China zumindest teilweise abgekommen und ebenfalls ins Kryptorennen eingestiegen. Mu Changchun, Vizedirektor der chinesischen Notenbank, hat gegenüber der Zeitung Shanghai Securites News verraten, dass ein staatlicher Coin am 11. November gelauncht werde. Dieser habe Ähnlichkeiten mit Facebooks Libra und sei von der Zentralbank besichert. Dieser Stablecoin soll dann von Chinas Amazon-Pendant, Alibaba, sowie von Internetgiganten Tencent mitgetragen werden. Da Tencent die sozialen Netzwerke in China betreibt, kommt hier über den Staat der offizielle Coin in die Social-Media-Welt.

Apropos Social Media: Was macht eigentlich Twitter? Seit langem wird gerätselt, ob auch der Kurznachrichtendienst auf den Kryptotrend aufspringt. Jack Dorsey, der Gründer und Geschäftsführer von Twitter, hat jetzt alle Spekulationen beendet. Gegenüber dem Sydney Morning Herald (und nicht auf Twitter!) sprach er Klartext: „Ich finde, dass offene Internet-Standards viel besser sind als solche, die von Unternehmen kontrolliert werden.“ Er unterstütze lieber den natürlich gewachsenen Bitcoin als selbst eine Kryptowährung zu schaffen.

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Sascha Bém

Sascha Bém, Chefredakteur des Krypto-Monitors, ist erfahrener Journalist und Medienmacher. Er arbeitete in den vergangenen 20 Jahren in den Bereichen Tageszeitung, Magazin sowie Online – sowohl als publizierender Autor als auch als Chefredakteur – und unterstützt Organisationen als Medien- und Kommunikationsberater.
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