6. August 2019

Der alte Walmart könnte Facebook beim Coin-Rennen überholen

einzelhandel krypto

Nicht Apple, nicht Google, nicht Facebook – laut Fortune Global 500 ist Walmart das umsatzstärkste Unternehmen der Welt. 500 Milliarden USD Jahresumsatz machen es natürlich auch zum größten Einzelhandelsunternehmen der Welt. Und Walmart ist auch der größte private Arbeitgeber: zwei Millionen Angestellte weltweit.

Warum lesen Sie darüber wohl an dieser Stelle? Bingo: Walmart ist der nächste Gigant, der sich dem Thema Krypto widmet. So hat das Unternehmen am 1. August im US Patent & Trademark Office einen Patentantrag eingebracht, in dem es um eine auf der Blockchain aufsetzende Digitalwährung geht. Die Kryptowährung, die Walmart vorschwebt, soll  – anders als die aktuellen Schwergewichte Bitcoin, Ethereum und Ripple, dafür wie Facebooks Libra – ein Stablecoin sein.

Same-same but different

Im Gegensatz allerdings zu Libra, bei dem Facebook eine Reihe von Assets in einer Art Fonds als Sicherheit für den Coin verwalten möchte, soll Walmarts Kryptowährung an den US Dollar gekoppelt sein. Während Facebooks Libra weltweit über seine Sozialen Dienste verfügbar gemacht werden soll, wird bei Walmart nur vom US-amerikanischen Markt gesprochen. Und zu guter Letzt: Walmarts Coin soll den Usern so etwas wie Zinseinkünfte ermöglichen! Bei Facebook wären – soweit bisher bekannt – nur die Investoren und Teilhaber des Projekts bei Wertsteigerungen des Fonds begünstigt.

Der alte Walmart könnte Facebook beim Coin-Rennen überholen

Coin oder Bank?

Walmart betont zwar, dass es noch keine konkreten Pläne gäbe, die hauseigene Kryptowährung tatsächlich zeitnah zu launchen, deutet aber eine Reihe von Vorteilen für seine Kunden an: So können etwa auf der Blockchain gespeicherte Kaufvorgänge Zugang zu automatisierten Stammkunden- beziehungsweise Produktrabatten ermöglichen; Menschen, die bisher wenig Zugang zum Bankensystem haben, könnten ein günstiges Zahlungssystem nützen; Altersbeschränkungen (wie etwa bei Alkohol oder Filmen) könnten über das System eingehalten werden und den Kauf durch Minderjährigen automatisiert verhindert werden; sogar ein biometrisch gespeicherter Identitätsnachweis könnte die Walmart-Währung ohne Plastikkarte auskommen lassen.

Unter Experten gilt es wahrscheinlicher, dass die US Behörden Walmarts Kryptopläne durchwinken als die von Facebook. Walmart hat gerade in den USA eine marktbestimmende Position und unendliche ökonomische Macht. Und so, wie die Pläne klingen, scheint Walmart auch keine Finanzmarktrevolution zu planen, sondern lediglich via Umweg über die Blockchain eine Art Kryptokundenkarte mit Banking-Funktion anbieten zu wollen. Den Walmart-Coin wird man wohl in naher Zukunft vergeblich an Kryptobörsen suchen.

Das alles klingt zwar nicht gerade nach dem innovativsten Zugang, könnte aber bei der Größenordnung von Walmart sehr wohl einen Hype für die gesamte Kryptoszene bedeuten.

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Sascha Bém

Sascha Bém, Chefredakteur des Krypto-Monitors, ist erfahrener Journalist und Medienmacher. Er arbeitete in den vergangenen 20 Jahren in den Bereichen Tageszeitung, Magazin sowie Online – sowohl als publizierender Autor als auch als Chefredakteur – und unterstützt Organisationen als Medien- und Kommunikationsberater.
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