Der digitale Euro kommt. Was bedeutet das für Bitcoin & Co.?
Der digitale Euro nimmt immer konkretere Formen an. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) Ende 2025 die nächste Projektphase eingeleitet hat, kommt nun auch das politische Gesetzgebungsverfahren auf EU-Ebene voran. Am Donnerstag gab das EU-Parlament in Straßburg grünes Licht. Ziel ist es, den digitalen Euro als zusätzliches, staatlich garantiertes Zahlungsmittel für den digitalen Alltag zu etablieren – als Ergänzung zu Bargeld, nicht als dessen Ersatz.
Nach den aktuellen Planungen könnte ab Mitte 2027 ein Pilotbetrieb mit ausgewählten Banken, Zahlungsdienstleistern und Händlern starten. Eine flächendeckende Einführung gilt jedoch frühestens gegen Ende des Jahrzehnts als realistisch.
Und wozu das Ganze? Spätestens nach dem Ringen um Gas aus dem kriegstreibenden Russland, dem Ölstau in der Straße von Hormus, den Gieren nach raren Halbleitern und den Dauerkonflikten um Monopol- sowie Datenschutz-Themen mit den Tech-Giganten aus den USA ist Europa klar: Wir müssen mehr auf eigenen Beinen stehen.
Das gilt natürlich, und ganz besonders, auch für den Zahlungsverkehr. Mit Mastercard, VISA und PayPal haben auch bisher im Bereich der bargeldlosen Zahlung die USA ein völlige Marktdominanz. Und ApplePay oben drauf…
e-Euro vs. Krypto
Anders als Bitcoin oder Ethereum handelt es sich beim digitalen Euro nicht um eine Kryptowährung. Er basiert weder auf einem öffentlichen Blockchain-Netzwerk noch unterliegt er Kursschwankungen. Stattdessen wäre jede digitale Einheit eine direkte Forderung gegenüber der Europäischen Zentralbank – ähnlich wie Bargeld, jedoch in digitaler Form.
Für Verbraucher soll sich der digitale Euro wie ein digitales Portemonnaie nutzen lassen: Bezahlen im Geschäft, online oder zwischen Privatpersonen – unabhängig davon, bei welcher Geschäftsbank man Kunde ist. Auch der Datenschutz soll – zumindest nach Angaben der EZB – ein zentraler Bestandteil des Systems sein.
Da es sich beim Digitalen Euro nicht um ein Spekulationsobjekt handelt – und umgekehrt beim Bitcoin kaum um ein Zahlungsmittel –, werden die unmittelbaren Auswirkungen auf den Kryptomarkt voerst sehr begrenzt sein.
Deutlich stärker betroffen könnten Euro-Stablecoins wie EURC oder andere tokenisierte Euro-Produkte sein. Der digitale Euro würde vielen Nutzern erstmals einen staatlich garantierten digitalen Euro bieten – ohne Emittentenrisiko und ohne Abhängigkeit von privaten Unternehmen.
Gleichzeitig könnte das Projekt einen positiven Nebeneffekt für die Blockchain-Branche haben. Der digitale Euro ist Teil einer umfassenderen europäischen Strategie zur Digitalisierung der Finanzmärkte. Parallel arbeitet die EZB bereits an Lösungen für tokenisierte Finanzinstrumente und programmierbare Zahlungen.
Bei Wahrnehmung und Akzeptanz von digitalen Assets generell wird der Digitale Euro also eher für Rückenwind sorgen.