Mehr Tether, weniger Facebook: Aus Libra wird Diem

Es war einmal… eine Zeit vor Corona. Kaum mehr vorstellbar, aber wir konnten frei reisen, trugen keine Masken und konnten in Bars ohne Mindestabstand und Ausgangsbeschränkung versumpfen. Ewig her. Und damals schon schrieb der Krypto-Monitor über Facebooks Pläne, eine Kryptowährung zu launchen.
Seither sind 18 Monate und eine Pandemie über die Lande gezogen. Alles hat sich geändert, nur auf etwas ist Verlass: Facebooks Coin ist immer noch nicht auf dem Markt. Bitcoin-Käufer, Ethereum-Investoren sowie Ripple-Inhaber haben inzwischen schon mehrere Rallyes hinter sich und freuen sich über die aktuelle Hochstimmung an den Kryptobörsen. Facebooks Libra steht indes unbeeindruckt in den Startlöchern.

Stable Coin too stable?

Libra war zwar als Stable Coin geplant, die Flatline war aber dann doch etwas zu stable. Also haben die Verantwortlichen die Notbremse gezogen und lassen Libra, die Waage, vage sein. „Wir möchten einen neuen Start“, so Stuart Levey, der CEO der – ehemaligen – Libra Association. Um diesen Neustart zu verdeutlichen wird nämlich das ganze Projekt umgetauft in – tataaa! – Diem. (Ja, Tag auf Latein. Genauer: Akkusativ.)

Es soll sich aber nicht nur der Name ändern: Auf der Gesellschafterseite hat sich ja die Konstellation schon einige Male gedreht, Schwergewichte wie PayPal und Visa sind schon länger raus. Aber auch Facebook will jetzt den Ball flacher halten, schließlich war wohl das Netzwerk mit seinen zwei Milliarden Usern der Hauptgrund, warum Zentralbanken Hosenflattern bekamen und sich bei dem Projekt mit aller Macht querlegten.
Darüber hinaus werden sich die Werte, mit denen Diem besichert ist, gegenüber Libra verändern. Bei ursprünglichen Coin sollte ein Korb mit verschiedensten Assets (einem Fonds vergleichbar) dienen, jetzt soll der good ol‘ US-Dollar für Stabilität sorgen. Tether lässt grüßen.
CEO Levey hofft jedenfalls auf mehr Wohlwollen seitens der Finanzaufsichtsorgane: „All die Änderungen, glauben wir, werden den regulierenden Behörden gefallen“.
Vielleicht kommt ja jetzt endlich der Coin vom Fleck und wir könne Diem bald pflücken.

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Sascha Bém
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