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Investieren in Kryptowährungen in 2020

Die Mutter aller Kryptowährungen, der Bitcoin BTC, ging 2009 live. Was dann folgte, ist Krypto-Geschichte: zuerst Unverständnis und Ratlosigkeit, danach ein Hype mit einem Kursanstieg an die 20.000 US$ pro Bitcoin und schließlich – angefixt durch die einst enormen Gewinnspannen – Akzeptanz als volatiles Investitions- und Spekulationsobjekt.

Der Bitcoin war der große Eisbrecher für Investitionen in den Kryptomarkt. Konnte sich vorerst niemand mit der Idee einer nicht zentral kontrollierten Währung anfreunden, ist der Distributed Ledger heute beinahe so selbstverständlich wie das Internet, und die Blockchain gilt als eine der am zukunftsweisendsten Technologien für die kommenden Jahre.

10 Jahre nach der Geburt des Bitcoin listet coinmarketcap.com mehr als 2500 Coins. Die Marktkapitalisierung liegt insgesamt jenseits der 250 Milliarden Dollar. Nein, der Bitcoin blieb keine singuläre Erscheinung, und es sind nicht nur Nerds, die in Ethereum ETH, Ripple XRP oder Bitcoin Cash BCH kaufen. Längst sind auch institutionelle Investoren auf den Zug der Digital Assets aufgesprungen.

Was fehlte bisher vielen, die investieren wollten?

Warum wird Kryptowährungen noch immer mit großer Skepsis begegnet? Laut einer Umfrage der Bank ING von August 2019 stehen nur 13 Prozent der Österreicher und 20% der Deutschen Bitcoin & Co. positiv gegenüber. Immer noch vertrauen die Menschen weit mehr einem Stück Papier, auf dem ein Wappen und eine Zahl gedruckt sind als einem rechnerischen unmanipulierbaren Wert.

Ein Grund dafür ist sicher die Volatilität. Die enormen Kursschwankungen sind nicht gerade vertrauensfördernd und sind für risikofreudige Spekulanten an Kryptobörsen gut, die kurzfristig in Kryptowährungen investieren, aber weniger für beispielsweise ein Gehaltskonto in BTC.

Hohe Volatilität ist ein völlig normales Phänomen bei jungen Währungen. Und im Gegensatz zu ein paar Hundert Jahren Fiatgeld ist eine Dekade Bitcoin ein Klacks. Dennoch gibt es bereits in der Kryptowelt Maßnahmen, um die Volatilität zu senken und gleichzeitig das Vertrauen in Coin-Investitionen zu heben: Stablecoins sind Digital Assets, deren Wert an klassische Werte gekoppelt beziehungsweise mit anderen Assets hinterlegt ist. Dies können Geldwährungen, Wertpapiere oder auch Edelmetalle sein. Vorreiter war hier der Tether USDT, ursprünglich 1:1 mit US Dollar hinterlegt, mittlerweile in einem Mix mit Wertpapieren.

Vertrauenswürdige Partner für Investitionen

Was für die Kryptoszene der Coup an der Blockchain ist, ist für Skeptiker genau der Haken an der Sache: das Fehlen einer Autorität. Während sich die Fans über eine basisdemokratische Konstruktion freuen, die nicht zentral kontrolliert oder manipuliert werden kann, scheint das für Anhänger von Geldscheinen das K.o-Kriterium gegen Kryptowährungen zu sein. Sie suchen eine Instanz, die für den Wert der Investition geradesteht. Dies ist nur allzu verständlich – wurden wir doch alle mit einem Geldbegriff sozialisiert, bei dem die jeweilige Regierung verspricht, gegen einen Papierschnipsel beispielsweise einen Laib Brot zu erhalten.

Nun gibt es niemanden, der uns den Stempel auf den Bitcoin gibt. Oder doch?

2019 war das Jahr, in dem Big Player offiziell die Blockchainbühne betraten. Am lautesten tat dies Facebook. Auch wenn das Projekt der eigenen Kryptowährung aufgrund von offenen Konzeptfragen und vor allem politischen Widerständen noch nicht ganz in der Zielgeraden zu sein scheint, hat Libra doch gezeigt: Ein internationaler Technologietreiber und Börsenwert-Gigant sieht eine Notwendigkeit darin, auf Kryptowährung zu setzen. Dazu kommt, dass Facebook dies mit einer Stablecoin zu tun gedenkt.

bitcoin.de banner 250Also: Die Volatilität sollte sich in Grenzen halten. Und wer Bilder seiner eigenen Kinder auf Facebook postet, bringt diesem Unternehmen wohl genug Vertrauen entgegen, um ihn auch als Verwalter zumindest kleinerer investierter Geldbeträge zu akzeptieren.

Facebook ist mitnichten das einzige oder erste Großunternehmen, das sich dem Thema Kryptowährungen widmet. Google ist schon längst als Investore bei Ripple XRP beteiligt, dessen Technologie bereits bei einer Reihe von Großbanken im Einsatz ist, um interne Transaktionen zu beschleunigen und günstiger abwickeln zu können. Amazons Kryptoambitionen sind schon lange Gegenstand von Spekulationen. Changpeng Zhao etwa, Boss des Börsen-Riesen Binance, macht keinen Hehl daraus, dass es aus seiner Sicht nur eine Frage der Zeit ist, bis Amazon seine eigene Kryptowährung launcht.

Weiter in der Reihe der wertvollsten Unternehmen: Apple lässt sich bisher nicht in die Karten schauen und spricht bisher im Zusammenhang mit Blockchain nur von langfristigen Perspektiven. Nachdem Samsung (bereits passiert) und auch LG (angeblich geplant) Blockchain-taugliche Smartphones aus dem Hut zaubern, wird sich wohl Apple auch nicht lange bitten lassen, um eine Strategie an den Tag zu legen und Krypto-Investoren anzulocken.

2020 wird für Investoren entscheidend

Facebooks Libra kommt 2020. Messengerdienst Telegram will seinen eigenen Coin bereits im Herbst 2019 herausgeben. Man kann davon ausgehen: Überall, wo jede Form der Transaktion stattfindet, wird zum möglichen Einsatzgebiet für Kryptowährungen. Und auch zur Möglichkeit, in neue Coins zu investieren.

Menschen, die sonst keinen Zugang zum Bankensystem haben, sollen dank Digital Assets Werte transferieren können. So argumentiert auch Facebook. Darüber hinaus wird wohl auch eine Emanzipation von (Zentral-)Banken und monetäre Eigenständigkeit kein unerwünschter Nebeneffekt für Großunternehmen sein.

Kryptowährungen können so zum autarken Zahlungsmittel innerhalb eines Ökosystems werden – ob es nun Amazon und seine Kunden beziehungsweise Lieferanten, Apple-iPhone-User (iChain?) oder Facebook-Community ist. Das könnte schneller kommen, als wir – noch – glauben. Investitionen in Kryptowährungen können auf diese Art Unternehmenswerte widerspiegeln sowie Aktien- und Fiatgeldfunktionen vereinen: Man nimmt am Wertsystem teil und kann im Ökosystem mit dem Coin bezahlen.

Zuletzt liefern ausgerechnet die Zentralbanken Argumente, in Kyptowährungen zu investieren. Ganz besonders die EZB sorgt mit ihrer Niedrigzinspolitik dafür, dass (Fiat-)Geld immer billiger wird und Erspartes an Wert verliert. Schon geht die Angst von einem neuerlichen Kollaps des Geldsystems um. Dieser könnte weit größere Dimensionen annehmen als 2008.

2020 wird eine Vorentscheidung bringen.

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Sascha Bém

Sascha Bém, Chefredakteur des Krypto-Monitors, ist erfahrener Journalist und Medienmacher. Er arbeitete in den vergangenen 20 Jahren in den Bereichen Tageszeitung, Magazin sowie Online – sowohl als publizierender Autor als auch als Chefredakteur – und unterstützt Organisationen als Medien- und Kommunikationsberater.
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